IG Kindsgi Davos Wiesen

Kontakt

 

Sparen auf dem Buckel der Kleinsten?

 

Es geht nicht nur darum, dass die Mamis und Papis ein Problem damit haben ihre Kleinsten in einen Bus zu stecken. Das alleine ist nicht das Thema. Es stecken auch noch andere Überlegungen dahinter. Wir möchten sie bitten, sich die Zeit zu nehmen diesen etwas längeren Brief zu lesen.

Die IG besteht nicht nur aus den Eltern der jetzigen Kindergartenkinder, sondern auch aus Personen die schon grosse Kinder haben oder die in Davos selber wohnen.

Ja, es stimmt. Ein grosses Dankeschön geht an die Kinder aus Glaris die unserer Schule geholfen haben als wir Wiesner sie nötig brauchten. Nun gehen die Glariser Schüler wieder in Glaris zur Schule und das ist genau richtig so.  In unseren Kindsgi aber werden unsere kleinen Knirpse nicht mehr zurückkehren können. In voraussichtlich 2 Jahren würde unser Kindergarten zu einer Wohnung umgebaut. (Umbau wurde zurückgestellt)

Wir konnten feststellen, dass die Schule, der Schulrat und auch der kleine Landrat wirklich ein grosses Interesse daran hatten, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Sie nahmen sich die Zeit mit uns viele konstruktive Gespräche zu führen. Gemeinsam suchten wir nach einem Kompromiss. Diese Arbeit nahm man natürlich in der Öffentlichkeit nicht wahr.

Es ist zu sagen, dass der Doppelkindergarten in Glaris sowieso gebaut werden muss, um alle Unterschnitter Kinder fassen zu können. Daher spielt es prinzipiell keine Rolle ob die Wiesner Kinder dazukommen oder nicht. Denn würde dieser Doppelkindergarten in Glaris nicht gebaut, so würde man wohl alle Kinder mit Bussen nach Davos Platz bringen und unter grossen Investitionen einen zentralen Kindergarten für die ganze Landschaft realisieren müssen. Zentralisierungstendenzen bei Unternehmen und im Gemeinwesen sind oft Folge von kurzfristiger Planung ohne Einbezug aller Auswirkungen. Dies bestätigen die allzu oft darauf folgenden Dezentralisierungen. Aus diesem Grund hoffen wir, dass unsere verantwortlichen Politiker diese kostenintensiven Fehler nicht machen. Oder man lässt es so wie es heute ist.

Es wurde uns gesagt, dass wir Begehrlichkeiten wecken würden. Das heisst, wenn wir einen Kindergarten für Wiesen beanspruchen, so wollen das alle anderen Fraktionen verständlicherweise auch. Das mag sein. Betrachtet man unsere Landschaft, so sieht man, dass nicht alle alles haben. Und das ist auch nicht schlimm. Augenmass und Weitsicht für die individuellen Bedürfnisse sind gefragt. Neid ist dabei ein schlechter Berater.

Das Schul- und Kindergartenkonzept in unserem Dorf hat sich über Jahrzehnte bewährt. Das geforderte Minimum des Kantons wurde nie unterschritten. Es ist daher kurzsichtig, aus den aktuell niedrigen Kinderzahlen gleich einen negativen Trend abzuleiten und mit der definitiven Schliessung des Kindergartens zu reagieren. Die Einwohnerzahl von Wiesen ist in den letzten zehn Jahren um beinahe 30% angestiegen. Darunter sind auch viele junge Familien mit Kleinkindern, welche in ein paar Jahren den Kindergarten besuchen werden. Uns wurde gesagt, dass auch ohne Kindergarten Familien zuziehen würden. Auch das mag sicher sein, wie viele Familien deshalb aber nicht kommen werden, konnte uns niemand sagen.

Da der geplante Doppelkindergarten in Glaris zusammen mit den Wiesner Kindern bereits in den nächsten Jahren an die Kapazitätsgrenze gelangen würde, brächte eine vorläufige Weiterführung des Kindergartens Wiesen auch eine spürbare Entspannung der Situation in Glaris. Von moderateren Klassengrössen können alle Kinder profitieren.

Gewiss verursachen Kindergärten und Schulen mit niedrigeren Schülerzahlen höhere Kosten. Da Kinder mit besonderen Bedürfnissen jedoch besser integriert und gefördert werden können, lassen sich oft heilpädagogische Massnahmen verringern oder vermeiden. Zudem besteht bei kleineren Klassen die Möglichkeit, das Pensum der Kindergärtnerin zu reduzieren.

Für Kinder ist es ein grosses Privileg, im geborgenen sozialen Umfeld des eigenen Dorfes aufzuwachsen. Dies ist einer der Hauptgründe, warum vermehrt junge Familien nach Wiesen ziehen. Sie werten die Vorzüge höher als die Tatsache, dass ihre Kinder durch die Distanz zum Zentrum einen erschwerten Zugang zu Angeboten des städtischen Umfeldes wie Mittagstisch, Tagesstrukturen, Musikschule, Bibliothek, Sporttraining und diversen Freizeitaktivitäten haben.
Wird dem Dorf der Kindergarten als wichtiger Teil der Infrastruktur entzogen, sinkt die Attraktivität für Familien, und es kann der Beginn einer unaufhaltsamen Negativspirale bedeuten. Für die prosperierende Entwicklung der Landschaft Davos sind unsere Vertreter im Grossen und im Kleinen Landrat verantwortlich. Dazu gehört Augenmass, langfristiges Denken und das Rücksichtnehmen auf Minderheiten. In den letzten Jahren wurde der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum immer lauter. Dieser ist im Zentrum von Davos rar, jedoch in den nahegelegenen Dörfern vorhanden. Warum soll nun die Gemeinde günstigen Wohnraum auf Kosten der Steuerzahler schaffen, wenn es ihn schon, wenige Autominuten vom Zentrum entfernt, gibt?

Kinder ertragen viel, und die Folgen von Belastungen durch ungünstige Rahmenbedingungen wie lange Transportwege oder Unterricht in hoch- oder überdotierten Klassen sind kaum messbar oder wirken sich erst viel später aus. Deshalb ist die Verlockung gross, im Bildungsbereich wirtschaftlich zu denken und den Rotstift anzusetzen. Vielleicht bleibt am Jahresende ein ganz kleiner Betrag mehr in der Gemeindekasse. Geld, das man dann für vermeintlich Sinnvolleres wieder ausgeben kann.
Am 4. Dezember entscheidet der Grosse Landrat, ob der Kindergarten Wiesen wegrationalisiert werden soll oder nicht.

Zum Schluss bleibt uns nur noch zu sagen, wir hoffen, dass die Politik den Einsatz ihrer Bürger zu schätzen weiss und es nicht als lästig empfindet, dass sich jemand für eine Sache einsetzt. Man kann Dinge ändern wenn man will.

Freundliche Grüsse

IG Kindsgi Wiesen

Remo Dieth, Sonia Weber, Heinz Brunner, Andi & Judith Nebel, Joachim Keller, Ladina Dürst, Remo Keller